Der DenkOrt Deportationen e. V.
DenkOrt Deportationen e. V.
Kulturpreis:
DenkOrt Deportationen e. V.

Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung 2021

DenkOrt Deportationen e. V.

Auch aus Mainfranken, einer Region mit einer besonders hohen Dichte an jüdischen Gemeinden, wurden Juden während der Schoa verfolgt, verschleppt und ermordet. Würzburg war dabei der zentrale Startort der Deportationen jüdischer Mitbürger aus der Stadt und dem Umland, deshalb wurde hier auf Initiative des gleichnamigen Vereins im Jahr 2020 der „DenkOrt Deportationen“ eröffnet.

Grundsätzlich gilt: Bei jeder Erinnerung kommt ihrer Form eine zentrale Rolle zu: Sie muss dem menschlichen Verstand begreifbar machen, was es mit den schier unfasslichen Opferzahlen auf sich hat. Das ist keine leichte Aufgabe, denn es gilt, die Verbrechen zu thematisieren und gleichzeitig die Individualität der Opfer nicht zu vernachlässigen. Diese Herausforderung wird in Würzburg exzellent gemeistert. Der „DenkOrt Deportationen“ ist gleich in mehrfacher Hinsicht ein innovativer und nachhaltiger Lern- und Erinnerungsort.

[…] Die innovative Form, die Partizipation vieler Menschen am Gedenkprojekt und die gelungene Präsentation im realen und im virtuellen Raum machen den „DenkOrt Würzburg“ zu einem herausragenden Beispiel moderner Erinnerungskultur. Der „DenkOrt Würzburg“ kann daher beispielhaft für seriöses und gleichzeitig kreatives Gedenken stehen.

Auszug aus der Laudatio

Wilhelm Koch, Künstler, Grafiker und Verleger, Museumsleiter und Luftbläser <br>
Wilhelm Koch, Künstler, Grafiker, Museumsleiter
Kulturpreis:
Wilhelm Koch, Künstler, Grafiker, Museumsleiter

Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung 2021

Wilhelm Koch, Künstler, Grafiker, Museumsleiter

Der Künstler, Grafiker und Verleger, Museumsleiter und Luftbläser Wilhelm Koch ist ein Solitär in der bayerischen Kulturlandschaft. [..] Seit 1984 ist er als Künstler mit Installationen, Videoarbeiten, Architekturprojekten und Kunst im öffentlichen Raum tätig. Heute lebt Koch wieder in seinem Geburtsort Etsdorf und realisiert seine avantgardistischen Projekte in der Region Oberpfalz mit künstlerischem Eigensinn, der ihm eigenen Konsequenz und Beharrlichkeit, und darüber hinaus mit enormer Überzeugungskraft.

Wilhelm Koch sieht seine Projekte als Ausdruck gelebter Demokratie, die unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger entstehen. Durch sein persönliches Charisma gelingt es ihm, verschiedenste Menschen mit seinen Initiativen zusammen zu bringen sowie für die gemeinsame Sache – die Kunst – zu begeistern und zum Mitmachen, ja für dauerhaftes Engagement zu bewegen. […] Die von ihm geschaffenen, häufig baulichen Kunstwerke sind Langzeitprojekte, getragen vom Ethos nachhaltiger und partizipativer Kulturvermittlung.

Bei alle dem staunenswerten Tun sollte uns Wilhelm Kochs Motto „χαλεπα τα καλα - Khalepa ta kala - Das Schwierige ist schön" (nach Plutarch) Mut geben, Widerstände zu überwinden. Das Leben in einer Demokratie ist eben keine Selbstverständlichkeit. Demokratie in ihrer Entstehung war stets von Kämpfen um politische Beteiligung begleitet. Demokratie bleibt stets gefährdet. Dafür stehen die Kunstwerke von Wilhelm Koch.

Auszug aus der Laudatio

Das Theater Mummpitz
Theater Mummpitz
Kulturpreis:
Theater Mummpitz

Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung 2021

Theater Mummpitz

Das Theater Mummpitz in Nürnberg feierte 2020 sein 40-jähriges Bestehen und ist damit eines der ältesten freien Kindertheater Deutschlands. „Mit Mumm und Witz erzählen wir Geschichten“ sagt es über sich selbst. Mit Wärme, Fantasie und Verstand werden Theaterstücke gemeinsam entwickelt, die die Lebenswelt der Kinder spiegeln. Dabei werden unterhaltsam und sinnlich auch ernstere Themen wie Demenz, Armut oder Dicksein behandelt.

[…] Es gibt wiedererkennbare Merkmale des Theaters Mummpitz: zum einen sind es die Schauspielerinnen und Schauspieler, die das Theater seit Jahren prägen, Musikerinnen und Musiker und ihre Kompositionen, die live gespielt werden. Gleichzeitig werden auch immer wieder neue Spielformen ausprobiert, wie zum Beispiel Figurentheater, und in ihr Repertoire integriert.

[…] Jungen Menschen, die es von Haus aus schwer haben, Kunst kennenzulernen, die Teilhabe an Kultur zu ermöglichen, ist dem Theater Mummpitz ein Herzensanliegen. So wurde 2009 der KulturRucksack gegründet, mit dem Schüler*innen der dritten Klassen vielfältige Kulturangebote erleben können, die durch spielerisch-pädagogische Workshops nachbereitet werden. Das theaterpädagogische Programm wurde stark ausgebaut und die Kurse zu gesellschaftlich relevanten Themen werden von Schulen mehr und mehr gebucht.

Das Theater Mummpitz ist ein ganz besonderes, ungeheuer sympathisches Theater und ein funkelnder Schatz in der Theaterlandschaft, der sich hoffentlich bald wieder in ganzer Vielfalt und Farbigkeit zeigen können, wird.

Auszug aus der Laudatio

Harald Grill, Schriftsteller und Lyriker<br>
Kulturpreis Harald Grill
Kulturpreis:
Harald Grill, Schriftsteller und Lyriker

Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung 2020

Harald Grill, Schriftsteller und Lyriker

"Grill, geboren 1951 in Hengersberg, kann auf ein ungewöhnlich vielseitiges Oeuvre zurückblicken. Er begann 1980 mit Mundartlyrik („eigfrorne gmiatlichkeit“) und schrieb Gedichte, Erzählungen und Romane, Theaterstücke, Hörspiele, Radio-Features und Fernsehdrehbücher. Seit 1988 ist er als freier Schriftsteller tätig. Dabei stellt ihn seine bairische Hochsprache in die Tradition von Oskar Maria Graf und Marieluise Fleisser.

Heimat ist sein Lebensthema und zieht sich wie ein roter Faden durch alle seine Texte: als Ort der Geborgenheit wie der Herausforderung, als Sehnsuchtsort der Humanität. Seine Heimatdichtung aber ist weltoffen und grenzüberwindend. […] Besonders intensiv hat er sich mit dem bayerisch-böhmischen Grenzland befasst – in zahlreichen Radiobeträgen, Fernsehfilmen und mit dem Lesebuch „Zwischen Radbuza und Regen“ (1993).

Im Laufe seiner Karriere hat Harald Grill eine Anzahl an Auszeichnungen, Preisen und Stipendien erhalten. So 1992 den Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, 2003 den Marieluise-Fleisser-Preis und 2006 den Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz. In seinem Werk gewinnt das moderne Leben, Fühlen, Denken und Reden der in ihrer Identität bedrohten Heimat Altbayern literarische Leuchtkraft."

Auszug aus der Laudatio

Salome Kammer, Schauspielerin und Musikerin
Kulturpreis Salome Kammer
Kulturpreis:
Salome Kammer, Schauspielerin und Musikerin

Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung 2020

Salome Kammer, Schauspielerin und Musikerin

"Als schauspielende Sängerin und singende Schauspielerin entführt uns Salome Kammer mit virtuosen Stimmexperimenten in verschiedenste künstlerische Welten. […] Ihr schier unerschöpfliches stimmliches Repertoire nutzt sie für spannende Projekte in der neuen zeitgenössischen Musik ebenso wie für Interpretationen von Klassikern der Modernen Musik wie Arnold Schönberg, Kurt Weill, John Cage, Luciano Berio, Wolfgang Rihm oder Isabel Mundry.

Wer so vielseitig ist, ist natürlich auch auf den internationalen Bühnen unterwegs. Die Opéra National de Paris und die Bayerische Staatsoper München, die Deutsche Oper Berlin und die Opéra national de Lyon, das Staatstheater Stuttgart, die Opéra Comique in Paris und das Teatr Wielki in Warschau sind nur einige Auftrittsorte, mit denen Salome Kammer Ländergrenzen spielerisch überwindet und künstlerische Grenzen konsequent sprengt.

[…] Der Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung wird verliehen als Anerkennung der hervorragenden Leistung und Arbeit, als Bestätigung für die Richtigkeit des Tuns und als Ansporn, weiterzumachen. Alles, was Salome Kammer bisher gemacht hat, ihre aktuellen Auftritte und ihre Ideen für die Zukunft beweisen, dass die universale Ausnahmekünstlerin Salome Kammer diesen Preis mehr als verdient hat!"

Auszug aus der Laudatio

Michaela Melián, Künstlerin und Musikerin
Kulturpreis Michaela Melián
Kulturpreis:
Michaela Melián, Künstlerin und Musikerin

Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung 2020

Michaela Melián, Künstlerin und Musikerin

„Michaela Melián (*1956) ist Künstlerin und Musikerin, Mitgründerin der Band F.S.K. (Freiwillige Selbst Kontrolle) und unterrichtet seit 2010 als Professorin für zeitbezogene Medien an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg.

Die Münchenerin realisiert raumgreifende Arbeiten und setzt dabei vielfältige Medien wie Zeichnung, Fotografie, Film, Musik und Wort ein. […] Neben ihren Installationen und Kompositionen schuf sie verschiedene komplexe Hörspiele, die mehrfach ausgezeichnet wurden: Darunter das Hörspiel Föhrenwald, das sich mit dem ehemaligen Lager Föhrenwald beschäftigt. Ausgezeichnet als Hörspiel des Monats Juli 2005, gewann Melián damit im selben Jahr auch den Publikumspreis ARD Online-Award und wurde mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden 2005 ausgezeichnet. Das Hörspiel Speicher, das sich mit dem ersten Multi-Media-Projekt in Deutschland, der Präsentation VarioVision auf der Internationalen Verkehrsausstellung von 1965 in München auseinandersetzt, wurde Hörspiel des Jahres 2008.

[…] International renommiert hat sich Michaela Melián mit ihren multimedialen Arbeiten eine spezifische künstlerische Position entwickelt, die in ihrer interdisziplinären Ausrichtung und gesellschaftspolitischen Relevanz eine große Bedeutung besitzt. Es geht ihr in ihren Motiven, aber auch in ihrer Haltung als Kunstschaffende um Wahrheitsfindung und politische Verantwortung.“

Auszug aus der Laudatio